donderdag 20 augustus 2009

Sayeed

Kurz um die Ecke, nicht weit von meiner Wohnung, gibt es so’n Halal-fleisch-und-gemuseladen. Jede paar Jaar wechselt der Inhaber, denn 50 meter weiter gibt’s ein grossen Supermarkt. Ab und zu aber hole ich beim Halal-markt meine Nuesse und Krauter.
Vor ein paar Jahre arbeitete da Sayeed, ein guetiger, irgendwie begeisterter Kerl von etwa 30 jahre alt. Er hatte immer gute Laune. Beim Zahlen hab ich ihn ab und zu gesprochen – irgendwann fielen biblische Namen wie Ismael oder Abraham (ich sagte: ‘Ja, die kenne ich auch’, denn ich war frueher in eine “Schule mit den Bibel). Da fanden wir heraus, dass ein grossen teil der vorchristliche biblische Geschichte (vom anfang bis zu Abraham) von den Islam die Gleiche ist als den vom Juden- und Christentum. Und dass es in kleinen Doerfer wie Staphorst eigentlich genauso vorgeht als in hintergebliebenen Gebiete wo es den Islam gibt.
Er erzaehlte ab und zu was dazu, so seitlich beim Wiegen oder Geld zaehlen. Sachen ueber seine Religion, zum Beispiel, dass die Beziehung die man zu Gott hat, ganz und gar privat ist. Was zwischen dir und Gott vorgeht, ist nur Sache von dir und Gott. Ich fand dass wirklich schoen. Stell dir vor, wenn man sowas in die Katholische kirche eintragen wuerde!
Wenn Ramadan war, sah er schlecht aus – vor allem wenn’s im Fruehsommer war, wenn die Naechte kurz sind. Ich war beeindruckt, als er mir von seine Lebensregeln erzaehlte. Nicht rauchen, trinken, essen uebertags, aber auch nicht schlecht ueber andere Denken. Im Ramadan machte er sich extra muehe seine Gedanken und Gefuehle zu pflegen. Und dann machte er sich auch noch Muehe, keinem ein zu reiben, sie sollten auch so leben. Wenn andere rauchen, essen oder trinken, hielt er sich unauffaellig und dachte er darueber nicht schlecht. Ich war wirklich beeindruckt. Nachdem er mir seine religion erklaert hat, habe ich ihn gesagt: “ich bin Christ. Nur nicht kirchlich, kirchen mag ich nicht.” Ich war vielleicht stolperhaft, konnte es aber nicht anders sagen, und ich glaube nicht er hat es mir uebel genommen. Schon sah ich etwas wie ein sanften Schock in seine Reaktion. Als ich dann nach Hause ging, kriegte ich selber auch so einen Schock, als ich die Baume vor meine Wohnung in Sicht gekriegt hab. Alsob sie mir frontal anstiessen mit den Gedankeninhalt: ‘Du hast es gesagt!’
Wenn ich dazu noch hoerte, der Sayeed habe in sein eigenen Land Internationale Beziehungen studiert, hat mich wirklich grund zum Denken gegeben. Mit so ein Studium in ein Gemueseladen zu arbeiten, immer die Arbeit gerne zu machen (denn so sah er wirklich aus) und dazu auch noch gute Laune fuer den Kunden zu haben: Ich haette es nie geschafft.
Eines Tages war er weg, zurueck zu Marokko. Ein Jahr spaeter traf ich ihn noch einmal in die Strasse, er war in Gespraech mit etwa fuenf Maenner. Er erkannte mich noch, gruesste und zoegerte – fand es wahrscheinlich nicht anstaendig da mit mir zu sprechen. Ich denke, dass war dass letzte Mal. Aber wenn ueber Islam geredet wird, erinnere ich mich an ihn. Ich hoffe es wird ihn gut gehen.

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